News

Exkursion und Geländepraktikum in der Silvretta

Mittagspause auf der Seitenmoräne des Ochsentaler Gletschers.
Mittagspause auf der Seitenmoräne des Ochsentaler Gletschers.

[30|09|2019]

Das vierte Fachsemester des Studiengangs Kartographie und Geomedientechnik hatte diesen Sommer Gelegenheit, das im Hörsaal erworbene Fachwissen im Gelände anzuwenden. Als Basislager für die Unternehmungen diente die Wiesbadener Hütte auf 2443 Metern über dem Meer, malerisch gelegen in der vergletscherten Gebirgsgruppe der Silvretta.


Die Inhalte der fünftägigen Exkursion waren neben der Hochgebirgskartographie auch einfache Methoden der Vermessung und Geodatenerfassung. Das Methodenspektrum reichte dabei vom Kartenlesen und -interpretieren über boden- und vegetationskundliche Arbeiten bis hin zu Interviews mit Wanderern hinsichtlich ihres touristischen Verhaltens.


Dem Ochsentaler Gletscher ins „Maul“ geschaut.
Dem Ochsentaler Gletscher ins „Maul“ geschaut.


Schmelzpegel in verschmutzter Gletscheroberfläche.
Schmelzpegel in verschmutzter Gletscheroberfläche.
Aber auch die Gletscher und ihre klimabedingten Veränderungen standen im Fokus des Geländepraktikums. Anhand dreier ins Eis des Vermuntgletschers gebohrter Holzstangen konnten die Schmelzraten von sauberem und verschmutztem Eis bestimmt werden. Über die drei Beobachtungstage ist der Gletscher an der unverschmutzten Stelle 10 cm dünner geworden. Dort, wo der Wind eine dunkle Staubschicht abgelagert hat, die sich in der Sonne stärker erwärmen kann als Eis, betrug die Schmelze sogar 15 cm.





Arbeiten mit dem Eisbohrer.
Arbeiten mit dem Eisbohrer.

Die zahlreichen Moränen im Exkursionsgebiet erlauben eine Rekonstruktion der Gletscherausdehnungen der Vergangenheit. Eine Herausforderung hierbei ist die Altersbestimmung dieser Gletscherablagerungen. Durch das konstante Wachstum bestimmter Flechtenarten auf Gestein kann aus dem Durchmesser der Flechten auf das Ablagerungsalter geschlossen werden. Auf diese Weise haben die Studierenden historische Moränenstände bis zum Jahr 1860, dem Hochstand der so genannten Kleinen Eiszeit, datiert. Seitdem ist der Ochsentaler Gletscher um mehr als 2 Kilometer zurückgeschmolzen.








Die Landkartenflechte (Rhizocarpon geographicum) hat eine logarithmische Wachstumskurve, anhand der man ihr Alter abschätzen kann.
Die Landkartenflechte (Rhizocarpon geographicum) hat eine logarithmische Wachstumskurve, anhand der man ihr Alter abschätzen kann.

Arbeiten mit dem „Schmidt-Hammer“ zur Bestimmung der Oberflächenhärte.
Arbeiten mit dem „Schmidt-Hammer“ zur Bestimmung der Oberflächenhärte.
Zusätzlich wurde versucht, mit einem Betonprüfhammer (einer freundlichen Leihgabe der Fakultät für Bauingenieurwesen) den Grad der atmosphärischen Verwitterung und damit das Expositionsalters verschiedener Gesteinsoberflächen abzuschätzen.



















Prämierung der besten Felszeichnung.
Prämierung der besten Felszeichnung.
Die Aufgaben im Bereich der Hochgebirgskartographie waren neben der intensiven Auseinandersetzung mit den Karteninhalten der aktuellen Alpenvereins-Karte auch erste Versuche einer kartographischen Felsdarstellung und das Krokieren des Geländes.















Gletscherspalte
Gletscherspalte
Bis auf einen verregneten Nachmittag, der mit Auswertungsarbeiten auf der Hütte überbrückt wurde, war das Wetter freundlich bis hervorragend. Die (stündlich selbst gemessene) Lufttemperatur stieg tagsüber bis auf 16.8°C an, bei den niedrigen Bewölkungsgraden von teilweise nur einem Achtel liegt die gefühlte Temperatur jedoch deutlich höher. À propos Achtel, das gesellige Zusammensitzen bei fröhlichen Spielen („A romantic candlelit dinner would be incomplete without…“) kam natürlich auch nicht zu kurz.




















Abendstimmung
Abendstimmung


Bericht und alle Fotos auf dieser Seite: Wilfried Hagg.