Projekt

Fakultät 08
GeoTopoCart
Kategorie:
Projekt
Themengruppe:
GeoTopoCart
BetreuerIn:
Extern/e BetreuerIn:
Dr. Franz Schubert
Jahr:
2010

Topographische Dokumentation archäologischer Forschung am Mont Beuvray (Frankreich)


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Übersicht


Die archäologische Topographie gehört zu den ältesten und wichtigsten Grundlagen archäologischer Forschung. Innerhalb der drei großen archäologischen Arbeits- und Themenkreise - Prospektion - Ausgrabung - Funde - bildet die Erkundung archäologischer Geländespuren, ihre Interpretation, Vermessung und kartographische Dokumentation einen Kernbereich innerhalb jener Arbeitsverfahren, die heute unter dem modernen Sammelbegriff "Prospektion" zusammengefasst werden. Obwohl die visuelle topographische Beobachtung nach wie vor die wichtigsten Hinweise auf archäologische Spuren im Untergrund und damit die Ausgangsbasis für die Ausgrabungen liefert, ist ihre Bedeutung durch den rasanten Fortschritt anderer naturwissenschaftlicher Ortung- und Erkundungsverfahren scheinbar in den Hintergrund getreten. Luftbildaufnahmen in den unterschiedlichsten Anwendung- und Auswertungsverfahren, geophysikalische Untersuchungsmethoden mit elektrischen Widerstandmessungen, Magnetometersonden, Georadar und viele andere haben durch spektakuläre Erfolge die traditionellen Methoden topographischer Beobachtung und Aufnahme unverdientermaßen an Gewicht verloren. Fast unbeachtet haben sich aber auch bei diesen, weit in die Geschichte der archäologischen Forschung zurückreichenden topographischen Arbeitsverfahren, nicht nur in den archäologischen Methoden, sondern auch in den technologischen Möglichkeiten der Geländevermessung und -darstellung neue und epochale Entwicklungen vollzogen. Hierbei richtet sich der Blick weniger auf die Vielzahl publizierter Pläne von archäologischen Denkmälern und Grabungen als vielmehr auf die hochentwickelten technischen Möglichkeiten ihrer Dokumentation mittels moderner Vermessung und kartographischer Darstellung. Die moderne Computertechnologie eröffnet ganz neue Wege, die Fülle der im Gelände beobachteten und aufgenommenen archäologisch-topographischen Spuren objektiv in detaillierten Plänen sowie realen und virtuellen Geländemodellen wiederzugeben und zu dokumentieren. Für die künftige Forschung kommt der dauerhaften Sicherung und Dokumentation des vorhandenen Denkmalbestandes in optimaler Aussagekraft eine besondere Bedeutung zu, da diese Spuren einem ständigen Verfalls- und Zerstörungsprozess unterworfen sind.


Das gemeinsame Projekt GeoTopoCart hat eine umfassende Vermessung, Kartographie und archäologisch-topographische Bestandsaufnahme sowie Dokumentation von Bibracte auf dem Mont Beuvray zum Ziele. Die Durchführung des Projektes erfolgt auf der Basis einer internationalen und interdisziplinären Kooperation zwischen der Fakultät für Geoinformation der Hochschule München und dem Centre archéologique européen du Mont Beuvray in Glux-en-Glenne, Frankreich.


Bibracte, die alte Hauptstadt der gallischen Häduer, war einer der bedeutendsten Plätze der spätkeltischen Welt. Die Stadtanlage und ihre Befestigungen werden im Rahmen eines 1985 neu aufgenommenen europäischen interdisziplinären Forschungsprogrammes untersucht und ausgegraben. Die Wahl dieses Platzes für das Projekt GeoTopoCart beruht einerseits auf der großen historischen Bedeutung von Bibracte und den hervorragenden örtlichen Voraussetzungen zur Durchführung dieses Forschungsvorhabens. Andererseits greift dieses Projekt mit modernsten Aufgabenstellungen und Arbeitsverfahren auf frühe französische topographische Arbeiten im vergangenen Jahrhundert zurück, von denen bedeutende Impulse zur archäologischen Vermessung und Kartographie ausgingen.


Die Kooperation im Rahmen des Projektes GeoTopoCart ist der sehr erfolgreich verlaufende Versuch, archäologische und naturwissenschaftliche Forschung unter Einbeziehung moderner Hochtechnologie mit Lehre und Ausbildung an der Hochschule zu verbinden. Zugleich hat die praxisbezogene Teamarbeit in einem thematisch und fachlich weitgefächerten internationalen Forschungsunternehmen das Ziel, die Diplomanden der Hochschule München auf Anforderungen der künftigen Arbeitswelt hinzuführen.


Seit 1995 werden im Frühjahr und Herbst Vermessungskampagnen am Mont Beuvray durchgeführt. Im Frühjahr 2007 wurden Daten über den Geländeverlauf mit einen flugzeuggestützten Laserscanner erfasst. Die anschließende vermessungstechnische und kartographische Bearbeitung der Geländeaufnahmen erfolgt im Rahmen von Diplomarbeiten an der Hochschule München, die in der Publikationsreihe GeoTopoCart du Mont Beuvray zusammengefasst werden. Die fachliche Betreuung dieser Prüfungsarbeiten erfolgt durch das Kollegium von Professoren und Mitarbeitern der Fakultät für Geoinformation. Die Kennzeichnung, Interpretation der archäologischen Geländebefunde, die wissenschaftliche archäologische Betreuung der Diplomanden während ihrer Gelände- und Auswertungsarbeiten, sowie die Gesamtleitung des archäologisch-topographischen Forschungsprojektes GeoTopoCart im Forschungsbereich des Centre archéologique européen du Mont Beuvray, liegt in Händen von Dr. Franz Schubert.

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