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Forschungsprojekt GeoFlyer

Drohne
Drohne

[02|05|2018]

Forscherteam der Fakultät für Geoinformation wendet erneut erfolgreich in der Sperrzone von Tschernobyl eine drohnenbasierte Laserscanning-Technik zur Detektion radioaktiver Altlagerstätten an


Nachdem Prof. Dr.-Ing. Peter Krzystek und sein Team bereits im November 2017 zeigen konnten, dass man mit von Drohnen ausgesendeten Laserstrahlen radioaktive Altlagerstätten finden kann, führte er nun im April 2018 die Experimente fort. Im Rahmen des Forschungsprojektes GeoFlyer, das in Kooperation mit Prof. Siebold (FK03) durchgeführt wird, wurden die Arbeiten vor Ort von Dr. Norbert Molitor (Plejades) koordiniert. Zusammen mit Mitarbeitern von State Central Enterprise for Radioactive Waste Management und einem Drohnenteam, das vom Institute for Environmental Geochemistry der ukrainischen Akademie für Wissenschaften (Leitung Prof. Yuri Zabulonov) zur Verfügung gestellt wurde, wurden mehrere Sektionen des Roten Waldes mit einem Sensorsystem überflogen. Es wurden sowohl Laserdaten als auch optische Daten mit einer Multispektralkamera erfasst. Die ausgewählten Sektionen sind besonders interessant, da dort Vergrabungsstätten vermutet werden, in denen nach der Nuklearkatastrophe am 26.04.1986 radioaktive Biomasse vergraben wurde. Diese Bereiche sind mittlerweile von Pinien und Birken überwachsen, die wiederum eine eigene Radioaktivität aufweisen. Einige dieser Altlagerstätten weisen selbst nach mehr als 30 Jahren eine lokale Strahlungsaktivität von 30 µSv/h oder mehr auf. „Wir haben in 5 Tagen innerhalb der 10 km – Zone eine Dosis von 32 µSv aufgenommen. Zum Vergleich setzt man sich bei einem Flug von München nach San Franzisco einer Gesamtdosis von 100 µSv aus. Wir sind also noch im grünen Bereich“, sagt Prof. Krzystek. „Wir konnten auch diesmal eindrucksvoll zeigen, dass wir die Altlagerstätten in den Laserdaten unmittelbar sehen, sobald die Drohne gelandet ist und die Daten in den Rechner übertragen werden.“ Prof. Krzystek wurden von seinen Doktoranden M.Sc. Sebastian Briechle und Julian Stolp - Student des Studiengangs Geoinformatik und Navigation – begleitet. Das Team hatte noch Gelegenheit an der INUDECO Konferenz in Slavutych teilzunehmen und in einer gemeinsamen Präsentation über die aktuellen Forschungsarbeiten zu berichten. Die Tagung findet anlässlich des Jahrestages der Tschernobyl Katastrophe statt. „Fast am meisten hat mich die Trauerfeier für die verstorbenen Liquidatoren beeindruckt. Sie haben mit ihrem persönlichen Leben eine noch größere Katastrophe verhindert. Eine Katastrophe, die die Welt veränderte.“


Sebastian Briechle, Prof. Krzystek, Julian Stolp
Sebastian Briechle, Prof. Krzystek, Julian Stolp

Dr. Molitor und Prof. Krzystek auf einem Clamp (Strahlungsaktivität ca. 3 µSv/h)
Dr. Molitor und Prof. Krzystek auf einem Clamp (Strahlungsaktivität ca. 3 µSv/h)

Trauerfeier in Slavutych am 26.04.2018 um 00:26
Trauerfeier in Slavutych am 26.04.2018 um 00:26